Erst ich. Dann kommt der Rest...?


Was interessiert Sie mehr? Andere Menschen? Oder Sie selbst?

Mal ehrlich, wer würde schon sagen: ich selbst. Klingt egozentrisch, hedonistisch, narzisstisch. Und wir haben gelernt: vieles was mit -tisch endet, ist irgendwie pathologisch. Zum anderen geht das in einer Zeit, wo Altruismus auf allen Image-Flaggen so hoch getragen wird wie jetzt, schon gar nicht...

Aber was, wenn wir das falsch verstanden hätten? Wenn das Interesse an uns selbst im Kern nicht aus den Augen des Narziss schaut....

Ich hatte es falsch verstanden. Und bin damit nicht so frei und glücklich geworden, wie ich hätte sein können. Hab versucht mein Ego im Zaum zu halten, anstatt es ohne Wertung zu beobachten. Hab damit blockiert, obwohl ich Entwicklung immer schon als den Sinn des Lebens betrachtet habe.

Zum Glück verstehe ich heute mehr (Dank dem Evolutioneer Philipp Heider. Mehr dazu in meinem Profil). Und passe mein Tun jeden Tag ein bißchen an. Denn bevor ich alles in meinem Leben, alles auf dieser Welt durchdringen, ändern, schätzen kann, muss ich das mit mir tun. Nicht, weil ich wichtiger bin. Sondern weil mein Denken, Fühlen und Handeln in mir entspringt. Es sind meine Werkzeuge. Und je besser ich sie einsetzen kann, desto klarer wird mein Weg. Dafür muss ich mich aber als Allererstes einmal für sie interessieren...

Im Moment ist Selbstliebe ein zu einem Schlagwort mutiert. „Selfcare nennen es die Trendsetter. Darum geht es mir nicht. Sicher, es ist nie verkehrt sich etwas Gutes zu tun. Aber sich für sich selbst zu interessieren bedeutet vielleicht auch mal etwas Schwierigeres. Unangenehmeres. Zum Beispiel nachhaltiger nach neuen Mustern zu suchen, auch wenn es schmerzt die alten als überholt einzustufen und loszulassen. Selfcare ist für mich die unbedingte Bewegung der Nachsichtigkeit mit sich selbst. Aber das tiefe Interesse an der eigenen Seele kann schon auch mal in Enttäuschung, Unsicherheiten oder gar Wut münden. Oft geht es aber dann erst richtig los mit der Veränderung. Wenn der Mensch denn bereit ist, es auszuhalten. Es als etwas zu betrachten, daß zum Prozess dazu gehört... das kann echt nerven.

Was das mit Führung zu tun hat? Alles! Denn besonders in dem Bereich, wo wir Menschen davon überzeugen möchten, sich mit uns in ein Boot zu setzen und in die gleiche Richtung zu schauen, geht es darum sich selbst besonders gut zu kennen. Die eigenen Schwächen und Stärken. Die Muster und Fallen. Sonst werden wir auf dem Weg wohl oder übel unsere eigenen Themen als Fallstricke in das Team mitnehmen. Wie das? Auch wenn das nicht leicht fällt, plaudere ich aus dem Nähkästchen. Ich kann ja nur für mich sprechen...


Ich bin ein Mensch, der sich schnell verantwortlich fühlt. In einem starken Masse. Als Führungsperson klingt das vielleicht erst mal schlüssig. Fast richtig. Aber ist es das auch? Ich hab es mir damit nie leicht gemacht. Aber was passiert, wenn ich das als Chef in einem starken Masse praktiziere? Andere ziehen sich automatisch zurück. Manchen lehnen sich vielleicht sogar zurück, ducken sich in den sicheren Schatten der übereifrigen Führung.


Ich fand das Verantwortung (und auch die Schuld) übernehmen nur logisch. War ja schließlich meine Aufgabe. Zum Glück waren wir erfolgreich. Schuldgefühle hatten also selten Gelegenheit. Ich denke, ich habe ein sensationelles Team. Mit einem großartigen Teamzusammenhalt. Jeder Akteur voller Fachkompetenz, voller Durchsetzungskraft, voller Empathie und Beseeltheit. Wir konnten alle immer wir selbst sein. Auch ich. Und würden unseren Job als schönen Teil unseres Lebens begreifen. Ihn auch ohne Geld machen. Was will ich also mehr...


Chefs machen! Das will ich noch mehr! Das ist in der Führung mein neues Ziel. Aufhören sofort reinzuspringen, wenn ein Problem ruft. Zu glauben, daß ich das lösen muss. Und es aus Gewohnheit auch am besten kann. Ich will mehr Abwarten. Noch mehr fragen statt senden. Weniger Kontrollieren. Meinen Ressortleitern den Raum für die Lösungen geben. Und Ihnen damit noch mehr zutrauen. Damit hebe ich das Zentrum meiner Person auf. Der größte Vorteil: Noch bessere Mitarbeiter, noch mehr Effektivität und wenn der Chef das Team verlässt, bricht nix auseinander.


Wieso ich das nicht früher begriffen habe? Weil ich mein Muster mit der übermäßigen Verantwortung nicht als solches wahrgenommen habe. Ein blinder Fleck. Dabei dachte ich immer, ich wäre schon ziemlich reflektiert.


Es lohnt sich also. Sich für sich selbst in der Tiefe zu interessieren. Nie damit aufzuhören. Im Sinne des Prozesses. Im Sinne der Evolution. Deshalb bin ich auch gar nicht traurig. Denn jetzt geht es in eine neue spannende Etappe: Kontrolle aufgeben. Meister hervorbringen. Und selbst ein wenig gelassener werden. Wie gut, daes ich ein Evolutioneer bin.

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